Kleines Mädchen mit Händen vor dem Mund (Scham)

Woher kommt ein frontaler Kreuzbiss?

25. September 2026

“Schauen, Sie mal: Mein Kind beißt hier vorne falsch ineinander”, hören Dr. Riedmann und seine Kolleg:Innen immer mal wieder im Rahmen einer Erstvorstellung in der kieferorthopädischen Fachzahnarztpraxis. Voller Sorge blicken die Eltern auf das vorgestellt Kind und wünschen sich häufig eine schnelle Lösung. Und ja: Ob genetische Veranlagung oder eine falsche Position der Zunge, in der modernen Kieferorthopädie gilt, dass ein frontaler Kreuzbiss durchaus mehr als ein optisches Thema ist und im Kindesalter korrigiert werden sollte.

Der Grund liegt auf der Hand, bzw. hier auch klar im Bild: Denn bei dieser klinischen Aufnahme wird deutlich, dass hier eine Fehlstellung der Kiefer vorliegt. Und damit ist die “Optik” der kleinere Part dessen, was negativ auffällt...

Frontaler Kreuzbiss | Quelle: Dr. Andrea Freudenberg

 

Frontaler Kreuzbiss | Quelle: Dr. Andrea Freudenberg

 

Die Diagnose ist deutlich: Es handelt sich um einen frontalen Kreuzbiss. Damit verzahnen die vorderen Frontzähne von Ober- und Unterkiefer falsch herum. Eigentlich sollte der Oberkiefer über den Unterkiefer beißen. Doch wie entsteht diese Fehlstellung?

Mann im Profil mit weit vorstehendem Unterkiefer
Fehlwachstum der Kiefer: Genetik oder falsche Zungenruhelage? | Quelle: Canva/ChatGPT
„Habsburger Lippe“ | Quelle: Wikipedia

 

Genetische Faktoren und die „Habsburger Lippe“

Tatsache ist: Diese Fehlstellung wird sehr häufig vererbt. Im Grundsatz wächst der Unterkiefer zu stark nach vorne. Einige Erwachsene kennen dieses Phänomen vielleicht auch noch aus den Geschichtsbüchern - bekannt als die „Habsburger Lippe“. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Progenie, die eine viel stärker erbliche Komponente hat als viele andere Fehlstellungen.  

FUNKTIONELLE URSACHEN: DIE ROLLE DER ZUNGE UND DES ZUNGENBANDES

Ein vorstehender Unterkiefer muss jedoch nicht immer genetisch bedingt sein. Oft resultiert er aus einem unterentwickelten Oberkiefer. Die Ursache liegt hier häufig in einer falschen Zungenruhelage. Der Grund ist schnell erklärt: Bei allen Menschen fungiert die Zunge als natürlicher „Wachstumsmotor“ für den Oberkiefer. Liegt sie jedoch dauerhaft am Mundboden statt am Gaumen, fehlt der nötige Reiz für das Breiten- und Längenwachstum des Oberkiefers.

Auch ein zu kurzes Zungenband kann diesen Prozess begünstigen. Die Zunge ist dadurch am Mundboden fixiert und kann ihre wichtige Funktion für die Kieferentwicklung nicht wahrnehmen.

WANN IST DER BESTE ZEITPUNKT FÜR DIE KORREKTUR?

Wichtig ist, dass diese Fehlstellung so früh wie möglich behandelt wird und eine „Überstellung“ stattfindet. Das schafft der Fachzahnarzt für Kieferorthopädie am besten beim Wechsel der Frontzähne. Denn dann können “die Neuen” gleich richtig miteinander verzahnen, also die oberen Frontzähne überlappen die unteren Zähne.

Die Gesichtsmaske: Wachstum gezielt lenken

Falls das ideale Zeitfenster verpasst wurde, bietet die Gesichtsmaske eine effektive Behandlungsmöglichkeit. Mit Gummizügen wird der Oberkiefer nach vorne zu dem Gestänge der Apparatur gezogen. 

OK, uns ist bewusst, dass man mit dieser Apparatur keinen Bliebtheitspreis gewinnt, aber gerade in jungen Jahren ist sie sehr erfolgreich und kann damit ein weiteres Fehlwachstum verhindern. 

 

Gesichtsmaske mit Gummizügen | Quelle: Dr. Andrea Freudenberg

 

Ein großer Vorteil: Die Maske muss in der Regel nur nachts getragen werden. Da Kinder in diesem Alter glücklicherweise noch viel schlafen, lässt sich die Therapie gut in den Alltag integrieren.

Langfristige Vorteile für die Gesundheit

Mit dieser Behandlungsmethode wird das Wachstum des Oberkiefers nach vorne gefördert. Dadurch bekommen alle Zähne mehr Platz. Die Zunge erhält mehr Raum und kann sich am Gaumen anlegen. Dies ist wichtig für die Breiten- und Längenentwicklung des Oberkiefers und für die Nasenbasis, die ja das Gegenstück des Oberkiefers ist.  

Wenn die Gesichtsmaske gut getragen wird, gibt es gleich eine ganze Menge an positiven Effekten. So…

  • verändert sich das Profil positiv 
  • das ganze Gesicht sieht harmonischer aus
  • die Atemwege werden weiter gemacht
  • das Risiko zu schnarchen nimmt deutlich ab
  • die Anzahl an Erkältungen geht zurück

 

Kurz: Alles Faktoren, die wichtig für die langfristige Gesundheit sind. Auch wenn sie nicht gut aussieht, so schafft sie doch enorm viel - im Schlaf!

Smile & More-TOP-TIPP: Bei Verdacht auf einen frontalen Kreuzbiss sollten Sie Ihr Kind bei einem auf Frühbehandlung spezialisierten Kieferorthopäden vorstellen. Im Rahmen der Diagnostik kann dieser Experte potentielle Ursachen (z.B. ein zu kurzes Zungenband oder einen Zwangsbiss) erkennen und damit eine frühzeitige Therapie einleiten. 

Melden Sie sich gerne frühzeitig bei uns und stellen Ihr Kind vor. Denn in jungen Jahren kann man mehr lenken, als man gemeinhin denkt! Gerne schauen wir uns Ihr Kind an und besprechen gemeinsam, ob -und wenn ja- was hilfreich sein kann. Für ein schönes Lächeln mit einem gesunden Biss sowie bester Gesundheit. Wenn Sie in Reutlingen oder Umgebung wohnen, können Sie gerne HIER ONLINE eine Erstberatung terminieren.

Wir freuen uns auf Sie und Ihre Fragen!

 

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